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QUERSPUR 05: Hyperlokal

9Hyperlokal EINE MENGE WELT IN SEINEM LEBEN An diesem Wochenende ist wieder einmal seine Frau an der Reihe. Vor diesem Wochenende musste er, einer der längstdienenden österreichischen Geschäftsleute in der kroatischen Hauptstadt Zagreb, nicht den Wa- gen volltanken. Denn seine Frau, eine Religionslehre- rin, ist mit dem Zug aus St. Pölten angereist. Bei einem gemeinsamen Spaziergang durch die Zagreber Unterstadt erlaubt WALTER LEONHARTSBERGER, Ge- neraldirektor der Tochtergesellschaft einer bekannten Wiener Versicherung, Einblicke in seine Welt. Seit dem Start seiner Mission in Zagreb im Februar 2005 lebt er mit seiner Frau Jutta in einem eigenen Modus: Zwischen Abschied und Wie- dersehen, werktags getrennt, am Wochenende zusammen. Meistens fährt er am Freitagnachmittag mit dem Auto von Zagreb nach St. Pölten, und am Montag zeitig in der Früh wieder zurück zu seinem Büro. Meetings in Wien erweitern seinen Aktionsradius. Zu einem Dreieck. „Ein abwechslungsreiches Leben“, sagt der 57-jährige gebür- tige St. Pöltener und Vater von drei erwachsenen, berufstäti- gen Söhnen. Ja, er sitzt schon viel Zeit im Auto, auf Flughä- fen, in Flugzeugen, in Büros und Besprechungszimmern. „Doch gleichzeitig hat sich mein Horizont deutlich erweitert.“ Der Pendler zwischen Städten, Lesarten und Kulturkreisen spricht heute passabel Kroatisch. Und man wird sich schwer tun, ihm in Zagreb ein gutes Restaurant zu empfehlen, das er nicht kennt. Auch sonst ist Leonhartsberger bestens infor- miert. Über das Stadtgespräch in Zagreb ebenso wie über innenpolitische Vorgänge im neuen EU-Mitgliedsland. Als Manager muss er die globalen Zusammenhänge im Auge behalten, privat interessiert er sich auch fürs Lokale. Egal ob in Zagreb oder bei seinen Landsleuten in Wien und in St. Pölten. „Meine erste Heimat wird immer Niederösterreich bleiben“, erklärt der Teilzeit-Auslandsniederösterreicher vor der Zag- reber Oper, die von einem bekannten Wiener Architektenbü- ro geplant wurde. „Da ich täglich mit meiner Frau via Mobil- telefon, Skype und Mail in Kontakt bin und zum Wochenende auch oft nach Hause fahre, verzögert sich bei mir der Pro- zess der Assimilierung.“ Er lächelt kurz, aber er meint das schon so: Kroatien wird immer das Land seiner Arbeit blei- ben, in dem er nicht seinen Lebensabend plant. Das hat ihn jedoch in den vergangenen neun Jahren nicht da- ran gehindert, sich auch für die Geschichte und das Leben seiner kroatischen Kollegen zu interessieren. „Ich habe hier viel Neues gelernt. Eine absolute Bereicherung.“ In der Früh studiert Leonhartsberger die Zagreber Zeitungen, abends schaut er auch die österreichischen Fernsehnach- richten an, am Wochenende liest er den einen oder anderen Bericht in österreichischen Zeitungen nach. Manches kommt ihm da wie dort vertraut vor. Auffallend ist auch, dass der Manager mit seiner Frau mehr unternimmt als alleine. Für ihn bedeutet Zagreb auch länger arbeiten: „Weil in meiner Wohnung niemand auf mich wartet. Dafür versuchen wir, die gemeinsamen Stunden möglichst intensiv zu genießen.“ Am Ende des heutigen Spaziergangs besucht das Ehepaar eine bekannte Zagreber Stadtgalerie. Auf der Suche nach ei- nem geeigneten Erinnerungsbild. Schon für die Zeit nach seiner Rückkehr. Und am Ende des Wochenendes verab- schieden sie sich wieder, nicht wehmütig. Denn nach dem Wochenende ist immer auch vor dem Wochende. Das nächste übrigens wieder in St. Pölten. Global und doch lokal: Walter und Jutta Leonhartsberger vor der Zagreber Oper. Fotos:UweMauch

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