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QUERSPUR 05: Hyperlokal

8 EINE MENGE WELT IN IHREM LADEN Lokalaugenschein im Café Vitrine in der Johann- Strauß-Gasse 10–14 in Wien: Die Inhaberin verlässt zur Begrüßung ihren angestammten Platz neben der Vitrine, um gleich danach einen einzigartigen Espresso zum Sieden zu bringen. GABRIELE FRIMBERGER ist im besten Wortsinn eine Lo- kalmatadorin im vierten Wiener Gemeindebezirk – auf der Wieden, wie die Einheimischen sagen. Hier hat sie vor zwei Jahren ein echtes Kleinod eröffnet. Der Kaffee im Café Vitrine schmeckt anders als die standar- disierten Heißgetränke der großen Ketten. Das hat auch da- mit zu tun, dass sich die Kaffeesiederin intensiv mit Anbau, Lagerung, Verarbeitung und Zubereitung der Bohnen be- schäftigt. Jahrelang war in dem nur 32m2 kleinen Straßenlokal ein Greißler eingemietet, an ihn erinnert noch die Vitrine. Und der Name des kuscheligen Etablissements mit gerade einmal acht Sitzplätzen. Frimberger eröffnet: „Ich war verzaubert von diesem Ort.“ Mit wenigen, dafür sehr stilsicheren Kniffen hat sie den Zauber noch verstärkt. Heute ist das Café Vitrine ihre große Welt im Kleinen. Ihr Arbeitgeber, aber auch ihr Ort der Ruhe, der Leidenschaft, der Begegnung, des gedanklichen Austauschs. Und nicht zuletzt ihr Kino. Sie hat zuvor lange in einer Bank gearbeitet und dabei auch die große, weite Welt kennen gelernt. Ihre Entscheidung, sich auf ein Lokal im Lokalen zu verlegen, ist ihr nicht einfach passiert. Sie sagt: „Ich trinke gerne Kaffee, und ich wollte im- mer schon unabhängig sein.“ Die Quereinsteigerin sieht in ihrer Vitrine auch ein Nachbarschaftscafé. In dem Stamm- gäste schon mal ihre Blumen parken, wenn sie für längere Zeit verreisen. Oder auch nur einen Schlüssel abgeben. Oder ein Buch, Zeitungen, ein Paket. Hier kann man die unterschiedlichsten Menschen kennenler- nen. Weil vor der Vitrine alle Menschen gleich sind und das Anonymbleiben in der gemütlichen Wohnzimmer-Atmosphäre so gut wie unmöglich ist. Was nicht weiter stört. Die Inhabe- rin, die die Menschen mag, vermittelt gerne. Diese gelebte Nachbarschaft wird digital unterstützt. Frim- berger, die seit dem Jahr 2004 die FrauenFilmTage in Wien organisiert, informiert ihre Gäste auch auf ihrer Homepage. Über Neuigkeiten in ihrem und rund um ihr Café. Ab und zu holt sie sich noch mehr Welt in die Vitrine. Dann lädt sie zu Lesungen, zu Kaffee- und sogar Mostverkostungen. www.cafe-vitrine.at USERSTORY Die Lokalmatadorin und der Weltbürger IHRE WELT MISST GERADE EINMAL 32m2 – IN IHREM CAFÉ IN WIEN 4. SEINE WELT LIEGT IN DEM DREIECK ST. PÖLTEN – WIEN – ZAGREB. Von Uwe Mauch Lokal, ganz lokal: Gabriele Frimberger zieht mit ihrem Café Vitrine die Nachbarn an.

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