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QUERSPUR 05: Hyperlokal

7Hyperlokal Zweifellos wird die Organisation lokaler Gruppenaktivitäten aller Art durch IKT enorm erleichtert und damit steigen nicht zuletzt die Wahl- möglichkeiten an Sozialkontakten. Musste sich bisher zwecks Organisa- tion eines kleinen örtlichen Bridge- clubs einer dazu bereit erklären, Woche für Woche Telefonate mit den Mitgliedern zu führen, installieren heute Jugendliche, die sich im Firm- unterricht oder im Tenniskurs ken- nenlernen, sofort eine WhatsApp- Gruppe, wo sie zwischen den Treffen als Gemeinschaft Kontakt halten. „Online bedeutet ja nicht unbedingt Distanz“, betont Budka. Interessante Erkenntnisse zum Themenkreis Distanz und Nähe im Social Web liefert eine qualitative Studie aus dem Jahr 2012 mit dem Titel „Not all my friends need to know“, die Maja van der Velden von der Uni Oslo mit chronisch kranken Jugendlichen im Children’s Hospital of Eastern Ontario durch- führte. Im Untersuchungszeitraum war facebook noch das angesagte Netzwerk für Jugendliche. Dort hiel- ten die jungen Patienten Kontakt zu ihren Schulkollegen. Ihre Kranken- geschichte teilten sie jedoch nicht auf facebook. „Dies ist nicht der Ort, um über diese Dinge zu reden“, meinte einer der Befragten. Das Netzwerk erfüllte im Leben der kranken Jugend- lichen einen ganz anderen Zweck: Eben kein Patient, sondern einfach nur ein Teenager zu sein und am sozialen Leben außerhalb des Spitals weiterhin teilzuhaben. Dass IKT regionale und kulturelle Wurzeln stärken können, zeigt Philipp Budkas Forschungsarbeit zum sozialen Netzwerk MyKnet.org. Es ist ein Ser- vice des Netzwerks KO-KNET, das rund 50.000 Indianer im Nordwesten Ontarios verbindet. MyKnet ist das Herzstück der Vernetzung, eine Sammlung von Homepages, über die die Indianer Kontakt halten. Siedlungen und Reservate sind oft sehr weit voneinander entfernt, mit- unter schlecht erreichbar. Durch die Vernetzung entsteht eine soziale Online-Umgebung, sie hält Kultur und Gesellschaft der „First Nations“ lebendig und aktuell, verschafft ihren Themen – die in den kanadischen Massenmedien kaum vorkommen – Repräsentanz. Via KO-KNET kann die Community den Geschichten der Ältesten lauschen, Lokalnachrichten abrufen, dort treffen sich die Chiefs zu Besprechungen per Videokonferenz. Digitalromantik ist dennoch fehl am Platz. Internet und IKT sind keine heilen Parallelwelten, weder lokal, regional noch global, sondern Spiegel der Gesellschaft: Cybermobbing und -bullying etwa sind Beispiele der hässlichen Seiten der Vernetzung. Budka: „Diese sozialen Phänomene verschwinden nicht.“ Verbundenheit und Nähe haben mitunter auch ihren Preis, im virtuellen wie im realen Leben. DIE PRIVATSPHÄRE KANN MAN DENNOCH SCHÜTZEN DIGITALE VERNETZUNG STÄRKT AUCH DIE KULTUR DER UREINWOHNER KANADAS OB ONLINE ODER OFFLINE, VERBUNDEN- HEIT HAT IHREN PREIS Die Bewohner der Via Fondazza in Bologna wollten die Straße, in der sie wohnen, neu beleben und vernetzten sich über die Online-Initiative „Social Street Movement“. Das Ziel ist lebendige Nachbarschaft und ein Gemeinschaftsgefühl, wie man es aus italienischen Dörfern kennt. Foto:©CésareDeLuca

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