Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

QUERSPUR 05: Hyperlokal

17Hyperlokal Das Thema Migration sieht die Berli- ner Migrationsexpertin Jutta Aumüller zwiespältig: einerseits biete es als Wachstumsfaktor Chancen, anderer- seits schaffe die deutliche Angst vor Überfremdung gesellschaftliche Spannungen. Die Befürworter der Migration sieht sie in Städten und je- nen Gesellschaftsschichten, denen Migration „nicht zu nahe treten“ könne. Die Angst vor Überfremdung zeige sich hingegen bei Menschen mit ein- fachen Jobs und Globalisierungs- verlierern. Problematisch sieht die Wissenschafterin eine einseitige Be- richterstattung über Migration in den Medien. Ängste würden angeheizt, über die Erfolge von Integration kaum berichtet. Auch darüber, warum es Migration brauche. Aumüller bezeichnet Integration als gelungen, wenn die Spannungen zwi- schen verschiedenen Gruppen abge- baut werden, es zu kooperativem Ver- halten kommt und die Gesellschaft als solche stabil bleibt. Der Weg dorthin ist vielfältig. Wäh- rend der aus dem Iran zugewanderte Taxifahrer der Meinung ist, dort zu- hause zu sein, wo sein Haus steht und er Arbeit hat, glaubt der christ- lich-soziale Kommunalpolitiker, dass eine Integration in Vereinen stattfin- det. Wie der Integrationsprozess im Detail aussieht – über Arbeitsmarkt, Wohnort, soziale Räume –, müsse in- dividuell verhandelt werden, sagt die Migrationsforscherin, und das früh. Denn Vorurteile gegen andere Grup- pen entstünden schon im frühen Kin- desalter. „Durchdeklinieren“ und aufklären sollte man das Thema auf breiter Ebene, in Betrieben, Schulen, Stamm- tischen, Vereinen, ohne jedoch Fehl- entwicklungen unter den Tisch zu kehren. Mit Populismus in Gesellschaft und Politik müsse man in gewissem Ausmaß leben, betont Aumüller. Die kritischen Argumente von dort sollten ernstgenommen und mit überzeugen- den Konzepten beantwortet werden. Für die Zukunft sieht die Migrations- forscherin „unter günstigen Bedin- gungen eine gut integrierte zweite und dritte Zuwanderergeneration“ mit einer großen Hoffnung, „dass uns das EU-Projekt nicht um die Ohren fliegt.“ Für Aumüller wäre dies ein sehr schlimmes Fanal, weil es Kleinstaa- terei begünstigen und Grenzen zwi- schen Bevölkerungsgruppen errich- ten würde. Laut Statistik Austria wird Österreich 2030 knapp neun Millionen Einwoh- ner haben, statt rund 18 Prozent wie heute wird dann jeder Vierte über 65 Jahre sein. Der Zuwandereranteil wird dann von 15 auf 30 Prozent im Jahr 2050 gestiegen sein. Die Wei- chen für eine neue Migrationspolitik sind bereits gestellt, der Fokus liegt auf dem Zuzug höher gebildeter Mig- ranten. Um diese anzulocken, müsse Österreich mehr auf die Stärken des Landes aufmerksam machen, betont die Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl. Dazu brauche es Rahmenbedin- gungen wie mehr Flexibilität bei der Niederlassung, der Kinderbetreuung oder der Wohnsituation. Doch auch bei den bereits in Österreich leben- den Migranten läge einiges an Poten- zial, das nur gehoben werden müsse, betont Biffl. Eine verbesserte Zuwan- derungsstruktur mit höher gebilde- ten Migranten könnte bis 2050 rund 25.000 neue Arbeitsplätze schaffen, sagt die Forscherin. Migration werde auch beeinflussen, wohin Österreich in Zukunft wirtschaftlich expandieren werde. Biffl denkt dabei an die Län- der Süd- und Südosteuropas bis zur Schwarzmeerregion, an das ressour- cenreiche Kasachstan oder die Tür- kei, wo Österreich schon heute einer der größten Investoren ist. Ausbau- fähig wären Kooperationen im Hoch- schulbereich, Migration könne auch durch bereits bestehenden kulturel- len Kontakt etwa mit afrikanischen Ländern entstehen. Zuwanderung werde künftig nicht bloß dauerhafte, sondern auch vorübergehende Nie- derlassung bedeuten. Vieles neu denken, das ist eine große Herausforderung beim Thema Zuwanderung. Dass es neue Formen der Niederlassung braucht, ist ein Aspekt. Migrationspolitik braucht einen Plan, der weit über den natio- nalen Tellerrand hinaus gefasst ist. Sie braucht mehr Transparenz und eine ehrliche, offene Kommunikation. Damit Migration fern von jeglicher Interessenspolitik selbstverständli- cher Teil des täglichen Lebens und Gestaltens wird. www.bpb.de/gesellschaft/migration www.donau-uni.ac.at/imperia/md/ content/department/migrationglobali- sierung/forschung/wko-duk-ihs- gesamtbericht-migrationspolitik.pdf www.migration.gv.at 2035 ist Wien zu einer der jüngsten und weib- lichsten Städte der Welt geworden. Der Zuzug von jungen, hoch gebildeten Zuwanderern aus den süd- und südosteuropäischen Ländern mit einer hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen hat die Stadt geprägt. Um qualifiziertes Personal zu suchen, startete Österreich eine Charme- offensive und begann, unter Einbindung von Handelsvertretungen und Botschaften Werbung für das Land zu machen. Mit den neuen Wirtschaftsbeziehungen Österreichs nach Südosteuropa, in den Schwarzmeerraum bis nach Kasachstan sind neue Migrationsbe- wegungen in diese und aus diesen Regionen entstanden. Migration brauche. Osteuropa noch näher an Österreich

Seitenübersicht