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QUERSPUR 05: Hyperlokal

16 Sinkende Geburtenraten führten in den westeuropäischen Ländern da- zu, dass die Bevölkerung künftig pro Generation um ein Drittel schrumpft, sagt der deutsche Migrationsforscher Dietrich Thränhardt. Ohne Migration steuerten die Sozialsysteme auf eine Katastrophe zu. Die Zuwanderung von morgen müsse stärker auf Par- tizipation abzielen, wie in Kanada, wo Einwanderer nach drei Jahren die Staatsbürgerschaft erhalten, sagt der Forscher. In Schweden sorgen wie- derum starke Gewerkschaften für gleiche Einkommenschancen für Zuwanderer und Einheimische. Die USA hingegen haben das Prinzip des „Hocharbeitens“ ohne staatliche Zuwendungen zu ihrem Erfolgsprin- zip erkoren. Laut Tränhardt sollte die Migration von morgen nicht auf Billiglöhne ausgerichtet sein, sondern Werte schaffen, wie das Bewahren der eigenen Kultur, soziale Standards, Kollektivverträge und starke Sozial- partnerschaften, die Einwanderer stärker einbeziehen. Die Schattenseite einer Politik, die auf höher qualifizierte Zuwanderer ausgerichtet ist, sei das Phänomen des „akademisch ausgebildeten Taxi- fahrers“, sagt Thränhardt. Zudem trifft sie, Stichwort Braindrain, von der Wirtschaftskrise gebeutelte Länder wie Spanien, Serbien oder Rumänien, die, solange dort die jetzigen Proble- me anhalten, weiter qualifizierte Bür- ger und damit Know-how verlieren werden. Technologisierung und höhere Quali- fizierung werden Berufe aufwerten, Mitarbeiter der Müllabfuhr oder Kfz- Mechaniker brauchen künftig zusätz- lich zum praktischen Geschick IT- Wissen. Das Bildungsniveau werde weltweit steigen, betont der Migra- tionsforscher. Berlin ist 2035 weltweite Vorzeigestadt in Sachen Multikulturalität. Seinen Ausgang nahm dies 2006, als Lehrer der Rütli-Ober- schule in Neukölln, ein Bezirk mit hohem Migranten- und Sozialhilfeempfängeranteil, die Schließung der Schule forderten, weil sie mit der Gewaltbereitschaft der Schüler über- fordert waren. Die Bildungs-, Standort- und Wohnbaupolitik wurde daraufhin grundlegend geändert. Aus der Schule wurde ein Vorzeige- Bildungscampus, der frühere Problembezirk wurde aufgewertet, insbesondere die Wohn- anlagen um das Gebiet des aufgelassenen Flughafens Tempelhof. Der geförderte Wohnungsbau macht es Empfängern kleiner Einkommen möglich, Eigentum zu erwerben. Die Ausländerfeindlichkeit hat die Berliner Stadtpolitik tatkräftig bekämpft, indem sie den Ängsten und Schlagworten der populisti- schen Parteien Taten entgegensetzte. Aufklä- rung, interkulturelles Wissen und Verständnis über die Nationen in Neukölln haben zu einem neuen gesellschaftlichen Miteinander geführt. In den 2030er-Jahren ist die Welt noch globaler ge- worden. Der Welthandel hat sich weiter intensiviert, Tourismus und Flugverbindungen haben die Menschen auf der Erde näher zusammengebracht. Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Indien und China, wo das Bildungsniveau in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen ist. Der Braindrain der 2010er-Jahre ist obsolet geworden, die in den Hochschulen der Welt ausgebildeten jungen Chinesen und Inder sind in ihre Heimat, die einstigen Schwellenländer, zurückgekehrt, um mit der gewonnenen globalen Vernetztheit die dortige Wirtschaft auszubauen und zu stärken. Die wirtschaftlich prosperierenden Länder Malaysia, Vietnam und Thailand verzeichnen hohe Zuwande- rungszahlen. Das letzte EU-Mitgliedsland Türkei hat sich wirtschaftlich bestens etabliert, viele Türken aus Nord- europa sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Kern-Europa hingegen ist alt geworden. Die weiterhin bestehende innereuropäische Wanderung von Süden nach Norden reichte anfangs nicht aus, um das Geburtendefizit aus- zugleichen. Um zu vermeiden, dass die Altersrenten nicht mehr bezahlt werden können und ganze Dörfer leer stehen, öffneten die europäischen Länder ihre Tore auch für Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika, denen die Globalisierung mehr Bildungschancen gegeben hat. Nur Afrika ist noch immer wirtschaftlich gelähmt, die „Hoffnung Europa“ treibt viele verzweifelte Menschen Richtung der illegalen Grenzübergänge. In de word Tour auf d Dritt wo d extre ist o ausg Heim um m cher. er n. Bildung wird zum Grenzenöffner Visionen des multikulturellen Zusammenlebens in Berlin

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