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QUERSPUR 05: Hyperlokal

15Hyperlokal 2035, also in gut 20 Jahren, sind in Brasilien große Teile der Bevölkerung noch immer arm. Wer es sich leisten kann, zieht in die Region Brasilia – Sao Paolo – Rio, das neue Wirtschaftszentrum Südamerikas. In Chinas Wirtschaftsmekka, der Megaregion Hong- kong – Shenzhen – Guangzhou, hat sich die Bevöl- kerung in 20 Jahren auf 200 Millionen verzehnfacht. China verfügt nun über ein Sozialsystem nach west- lichem Vorbild, es gibt Pensionen und aus armen Wanderarbeitern wurden gebildete Städter. Die 430 Kilometer lange Megaregion Tokio – Nagoya – Osaka – Kyoto – Kobe hat als erste Weltregion die Verkehrsprobleme vorbildlich gelöst, öffentli- cher Nahverkehr hat den Individualverkehr weitge- hend abgelöst. Weil dadurch die Lebensqualität gestiegen ist, zogen nicht nur Arbeitswillige, sondern auch Pensionisten in die Region, die ihren jugendlichen Lebensstil in der Stadt feiern wollen. In Europa entsteht auf der Achse Paris – Amsterdam eine Megaregion, die Megacity und Finanzmetropole London zieht wei- terhin Massen an. Heimat ist 2035 noch immer das Haus, der Stadtteil oder die Nation. Mit dem Internet sind jedoch zusätzliche, nicht an einen geografischen Ort gebundene Räume entstanden. Wer von der Technologie und Globalisierung ausgeschlossen ist, wird es schwer haben: Menschen in ländlichen Regionen, jene, die noch immer von einem Dollar am Tag leben oder die, die Opfer des Klimawandels geworden sind. BEVÖLKERUNGSWACHSTUM, VERSTÄDTERUNG UND KLIMAWANDEL WERDEN DIE MIGRATIONSSTRÖME DER NÄCHSTEN JAHRZEHNTE PRÄGEN. DIE NEUEN MEGAREGIONEN WERDEN DABEI WIE MAGNETE WIRKEN. BILDUNG WIRD DER EINZIGE KANAL FÜR SOZIALEN AUFSTIEG SEIN. Die Journalistin Daniela Müller beschreibt die Welt in 20 Jahren aus ihrer Sicht (Sprechblasen) und hat zudem Experten befragt Wachsende Bevölkerung, Verstädte- rung und Klimawandel. Diese drei Prozesse werden künftig die Migra- tion prägen, sagt der Historiker Jochen Oltmer von der Universität Osnabrück. Die UNO schätzt, dass die Weltbevölkerung bis 2050 auf 9,6 Milliarden Menschen wachsen wird. Der „reiche Norden“ wird älter, der „arme Süden“ jünger. Für den Norden könnten die durchschnittlich 20- bis 30-jährigen Zuwanderer fri- schen Wind bedeuten. 2050 werden zwei Drittel aller Menschen in Städ- ten leben, die wiederum gigantische Ausmaße annehmen und zu begehr- ten Zielen für Zuwanderer werden, meint Oltmer. Schon heute bündeln die 40 größten Städte oder Regionen auf der Welt zwei Drittel der welt- weiten ökonomischen Aktivitäten, nur 18 Prozent der Weltbevölkerung lebt aber dort. Unklar ist, wie sich der Anstieg des Meeresspiegels auf jene zwei Drittel der Weltbevölkerung auswirken wird, die entlang der Küsten leben. Das UNO-Flüchtlingskommissariat UNHCR spricht schon heute von 24 Millionen Menschen, die der Klimawandel aus ihrer Heimat vertrie- ben hat, etwa Menschen aus Ban- gladesch, die ins benachbarte In- dien ausweichen. Der Wegfall von Ackerland könnte große Versor- gungsprobleme nach sich ziehen. Die klimabedingten, meist regionalen Migrationsbewegungen sieht Oltmer als große Herausforderung für die Zielregionen. Kulturelle Krisen oder politische Konflikte sind nicht auszu- schließen. Dass Ländergrenzen einmal obsolet werden, glaubt Oltmer nicht. Er sieht vielmehr eine „Tendenz, nationale Perspektiven zu verlassen“. Die Euro- päische Union und Brüssel würden auch bei den Zweiflern an Bedeutung gewinnen, weil diese erkennen, dass alle relevanten Entscheidungen dort getroffen werden. Der Wissenschaf- ter rechnet mit einer guten Vernet- zung der weltweiten Megaregionen, weil große Aufgaben wie etwa Mobi- lität nur gemeinsam zu lösen seien. Die digitale Vernetzung werde die Ar- beitswelt weiter verändern, Meetings im virtuellen Raum oder Daten in der Cloud ersetzten den Schreibtisch im Unternehmen. Englisch werde sich als Sprache für die Arbeit durch- setzen, glaubt Oltmer, daneben existierten lokale Alltagssprachen. Wohlgemerkt: Ein Zukunftsszenario wie dieses bedingt eine weltum- spannende Erkenntnis, dass Bildung der einzige Kanal für sozialen Auf- stieg ist. Neue Megaregionen entstehen, der Heimatbegriff bleibt unverändert 2035 Teile leiste – Rio In Ch kong p

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