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QUERSPUR 05: Hyperlokal

13Hyperlokal KOMPLEXESEINFACHERKLÄRT SPUREN WOHIN DAS AUGE REICHT DER MENSCH HINTERLÄSST NICHT NUR SPUREN, ER TRÄGT SIE SOGAR IN SICH SELBST. EIN LEBEN LANG. Von Ruth Reitmeier Bilder:©H.Koch,InstitutfürRechtsmedizinMünchen;iStock;shutterstock;glonass ////// ISOTOPENANALYSE ///////////////////////////////// Die Frau, die keiner kannte, hatte sich vor ihrem Tod mehrmals in Südosteuropa aufgehalten, in ihren letzten Monaten hatten sich ihre Lebensumstände drastisch verschlechtert. All das lässt sich aus dem Haar eines Menschen ablesen. Die wissenschaftliche Methode da- hinter heißt Isotopenanalyse. In der Kriminalistik wird sie vor allem zur Identifizierung von Leichen angewandt, aber auch sichergestellte Drogen können anhand ihrer Isotopenwerte einem Produktionslabor zugeordnet werden. Isotope sind Arten ein- und desselben chemi- schen Elements mit unterschiedlichen Atomgewichten. Die Zusammensetzung der Atomarten unterscheidet sich allerdings nach Herkunftsregion. So gibt das Wasser, das ein Mensch trinkt, Auskunft darüber, ob er in Küstennähe oder im Landesinneren lebt. Die Eiweiße verra- ten, ob jemand aus einer Region stammt, wo mehr Mais oder mehr Getreide verzehrt wird. Der Mensch trägt einen Isotopen-Mix in sich und damit detaillierte Informationen über sein Leben: in Zähnen, Knochen, Muskelgewebe, Haaren und Nägeln. Grundsätzlich gilt: Je besser die Isotopen-Datenbank, desto treffsicherer die Analyse. Isotopenanalytiker zieht es deshalb im Ausland zunächst zum lokalen Frisör, um Haarproben zu sammeln. „Es gibt aller- dings blinde Flecken auf der Landkarte“, betont Expertin Christine Lehn (im Bild) vom Insti- tut für Rechtsmedizin der Uni München. So ist die Datenlage aus Asien und Afrika noch dünn. ////// HANDY-ORTUNG ///////////////////////////////////// Ist das Handy eingeschaltet, verrät es, wo sich sein Nutzer gerade aufhält. Dazu braucht es kein Smartphone und auch keine GPS-Funktion. Denn jedes Mobiltelefon ist via eingebauter Funkzelle mit dem nächsten Handymasten verbunden. Dadurch lässt sich der Aufenthalt des Handynutzers zwar nicht punktgenau, doch ungefähr bestimmen. Im dicht bebauten Ge- biet mit vielen Handymasten funktioniert die Lokalisierung folglich am genauesten. Die Polizei kann jedes Handy durch den Mobilfunkbetreiber orten lassen, sofern Tatverdacht gegenüber dem Besitzer besteht. Noch präziser ist die Positionsbestimmung bei Nutzung eines Smart- phones mit GPS-Funktion. Dabei wird der Standort des Telefons über Satelliten ge- ortet. Die GPS-Funktion kann am Smartphone jederzeit abgeschaltet werden, doch die we- nigsten tun es, zumal damit jede Art von Navigations-Software nicht mehr funktioniert und das Telefon bei Verlust auch vom Nutzer selbst nicht geortet werden kann. ////// SATELLITENNAVIGATIONSSYSTEME ////////////// Die Zukunft der Systeme für Satellitennavigation liegt im Zusammenspiel. Ein Beispiel dafür ist das in einem Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) frisch entwickelte Galileo-LawinenFon. Dieses System kann Signale von drei Satellitennaviga- tionssystemen auswerten: dem US-System GPS, dem russischen GLONASS und dem eu- ropäischen Satellitennavigationsdienst Galileo, der seine ersten Satelliten im Umlauf hat. „Das Galileo-LawinenFon funktioniert sehr präzise und kann die Positionsbestimmung des Ver- schütteten auf wenige, entscheidende Sekunden verkürzen“, sagt IML-Forscher Holger Schulz. Konkret handelt es sich dabei um eine Smartphone-App, die mit einer Hardware-Zusatzeinheit ein hoch effizientes Lawinenverschüttetensuchgerät ergibt. www.lawinenfon.eu Grundsätzlich gilt für jede Art der Positionsbestimmung über Satellit: Je mehr Satellitensig- nale empfangen werden, desto genauer das Ergebnis. In Zukunft werden Endgeräte wohl mit Multi-Empfänger-Chips ausgestattet sein, die Signale mehrerer Satellitennavigationssys- teme empfangen und interpretieren können. Die neuesten Smartphone-Modelle empfangen bereits die Daten von GPS und GLONASS. Diese sind aktuell die einzigen globalen Systeme. Das europäische Pendant Galileo soll bis 2018 im Vollumfang bereitstehen, China arbeitet am Ausbau von Compass zum globalen System. Für einen Vollausbau braucht es zwischen 24 bis 30 Satelliten, die im Orbit kreisen. www.glonass-center.ru/en

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