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QUERSPUR 05: Hyperlokal

11Hyperlokal Die Zeit, in der wir mit Menschen und Dingen online vernetzt sind, hat schon längst begonnen, und die Ver- netzung schreitet fort. Sichtbar ist das vor allem bei Jugendlichen: 88 % der Deutschen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein online- fähiges Handy1 und können sich un- terwegs Informationen aller Art aus dem Internet saugen. In Österreich liegt der Anteil der jugendlichen Smartphonebesitzer bei 82%, in der Gesamtbevölkerung haben 61% ein Smartphone2 . Unterwegs in der Stadt und kein Bar- geld in der Tasche? Via ATM-Hunter (ATM, Englisch für Bankomat) er- scheint der nächste Bankomat auf dem Display. Vielleicht gerade Hunger? Dann hilft aroundme.com. Auf der Plattform kann man in dringenden Fällen nicht nur die nächste öffent- liche Toilette abrufen, sondern auch das nächste User-bewertete Restau- rant. Beide Apps gibt es auch für Österreich. Apropos Restaurant: In New York lis- tet die Grade Pending App nicht nur Restaurants in der Nähe des aktuellen User-Standorts, sondern liefert auch gleich eine Bewertung mittels Farb- schema nach Ampelprinzip mit. Damit verschwendet der Hungrige weder Zeit noch Geld. Auch für einen Park- platz ist gesorgt. Bestparking.com zeigt die billigste Garage in der Umgebung an (USA). In Österreich liefert zum Beispiel parkeninwien.at einen ähnlichen Dienst. Einziger Wer- mutstropfen: Man muss für die Preis- auskunft die Standortfähnchen selbst anklicken, um die Parkgebühr zu se- hen. Ist man hingegen zu Fuß unter- wegs, ordert man sich auf uber.com einen Fahrer. Im Gegensatz zu einem normalen Taxi muss man die Adresse, an der man sich gerade befindet, nicht kennen. Das Smartphone des Kunden wird über GPS geortet, ein Fahrer wird geschickt. Der Kunde kann das herannahende Taxi auf sei- nem Display verfolgen. (Expandieren- des, weltweites Service. In Öster- reich derzeit nur für Wien verfügbar.) Endlich zu Hause angekommen, aber die Milch im Supermarkt vergessen? Ein Fall für milkplease.it, das sich selbst als soziales Shopping-Netz- werk bezeichnet. Es wurde 2012 von zwei italienischen IT-Studenten ent- wickelt. Die Idee: Synergieeffekte beim täglichen Einkaufen zu nutzen. Entdeckt man beim Kochen, dass ein wichtiges Lebensmittel fehlt, braucht man in Zukunft nicht selbst zum Supermarkt hetzen, sondern kann einen Nachbarn, den man per Smart- phone im Supermarkt ortet, darum bit- ten. Das Start-up ist bisher in größeren Städten Italiens und in Deutschland aktiv. Die Betreiber erklären auf ihrer Website, dass sie mit ihrem Start-up nicht nur eine neue und zeitsparende Methode der Hauszustellung schaffen, sondern auch Nachbarn näher zuein- ander bringen wollen. Was auf milkplease indirekt passiert, steht bei nextdoor.com im Vorder- grund: Nachbarschaft durch das In- ternet (wieder) erlebbar zu machen. Die US-amerikanische Plattform hat bereits über 17.000 registrierte „neighborhoods“. Derartige Nachbar- schaften können sich mit den Gren- zen politischer Bezirke decken oder auch nur ein paar Straßenzüge zwi- schen zwei Durchzugsstraßen sein. Mitglied einer neighborhood kann je- der werden, der unter seinem echten Namen beitritt, seine Adressen verifi- zieren lässt und innerhalb einer Frist fünf Einladungen in der Nachbarschaft versendet, womit er seinen Status aktiviert. Das Netzwerk bietet seinen Mitgliedern die Möglichkeit, mehr über Menschen zu erfahren, die man vielleicht tagtäglich sieht und doch nicht kennt. Auf nextdoor.com kann es dann passieren, dass man ent- deckt, dass das Gesicht von Gegen- über gerade nach einer Leiter sucht, woraufhin man ihm seine eigene leiht und schon einen Anknüpfungspunkt hat, um doch noch ins Gespräch zu kommen. Die Plattform wirbt mit kon- kreten Vorteilen, die sonst nur echte, gewachsene Nachbarschaften bieten: größere Sicherheit, weil man verdäch- tige Aktivitäten melden kann; Hilfe beim Finden entlaufener Katzen, verlorener Geldbörsel oder Schlüssel; Empfehlung eines vertrauenswürdigen Installateurs oder Zahnarztes; Ankün- digung von Grillfesten und anderen örtlichen Veranstaltungen. Das öster- reichische Pendant zu nextdoor.com heißt FragNebenan.com. Das Social Start-up möchte „Anrainer zu Nachbarn“ machen. Mitmachen darf laut Homepage jeder, der bestä- tigt, dass er tatsächlich in der Nach- barschaft wohnt und sich nach ge- lebter Nachbarschaft sehnt. UNTERWEGS JENE DIENSTE ABRUFEN, DIE MAN SPONTAN BRAUCHT SOZIALER ZUSAMMENHALT ANSTATT KALTER ANONYMITÄT MEHR NACHBARSCHAFT MITTELS MILKPLEASE.IT DAS SMARTPHONE HAT DEN MENSCHEN VOM STAND-PC BEFREIT, MEHR NOCH: MITHILFE DES INTERNETS ON THE GO ENTSTEHT EIN NEUES, HYPERLOKALES LEBEN, DAS ES ERMÖGLICHT, LOKALEN RAUM, SOZIALE BEZIEHUNGEN UND ZEIT VERNETZTER ALS BISHER ZU ERLEBEN. Von Silvia Wasserbacher-Schwarzer

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